Projekt "Goldene Waldbahn Skole-Korostiv"
7.7.2008 | Wolfram Wendelin, Dmitro A. Babarika
Weit über die Grenzen der Region Lviv hinaus war die Waldbahn von
Skole/Korostiv bekannt, die 1892 erbaut wurde. Die romantische kleine Schmalspurbahn
beförderte neben Holz in den 1930er Jahren jeden Sommer nach einem offiziellen
Fahrplan tausende Erholung suchende Touristen in die Wälder der Skolivsky
Beskydy. Das Ende der Idylle kam 1969 durch schwere Hochwasserschäden. Danach
wurden die Gleise abgebaut. Aus ähnlichen Gründen und wegen der fortschreitenden
Motorisierung verschwanden auch die meisten anderen kleinen Bahnen in den
ukrainischen Karpaten.
Die Anwohner der Waldbahn von Skole/ Korostiv und viele die Natur liebende Menschen
aus der ganzen Ukraine vermissen die Bahn seit der Einstellung und hoffen
seither auf eine Wiedergeburt, wenigstens für den Tourismus. Zahlreiche
erfolgreich betriebene touristische und museale Kleinbahnen in Westeuropa
zeigen dass in der Ukraine noch große Möglichkeiten ungenützt sind. In
Skole/Korostiv sind die Voraussetzungen besonders günstig. Die alten
Bahntrassen sind gut erhalten und noch frei, auch sind von den Brücken noch
Widerlager und Pfeiler, zum Teil sogar Tragwerke vorhanden. Die Lage im Bereich
des Nationalparks "Skolivs'ky Beskydy" und die Nähe zur Europastrasse
Èop - Lviv - Kiew erscheinen in vielerlei Hinsicht günstig für eine museale Bahn
mit Einbindung in ökotouristisches Umfeld.
Seit 2005 formiert sich in Skole eine museale Initiative. Der österreichische
Waldbahn - Buchautor Wolfram Wendelin fand Sponsoren aus ganz Europa, die noch im
selben Jahr den Ankauf der ersten zwei Waldbahnfahrzeuge (eine große Draisine
der eingestellten Waldbahn von Osmoloda und ein gedeckter Waggon der Kinderbahn
L'viv, beide aus den 1930er - Jahren) ermöglichten. Diese Fahrzeuge wurden vor
der Verschrottung gerettet. Sie sind technisches Erbe der Ukraine. Beide
Exponate stehen seither im Hof der Verwaltung des Nationalparks von Skole auf
einem kurzen Stück Gleis. Die Draisine wurde im Vorjahr restauriert und im
Inneren mit Bildern des örtlichen Historikers Ihor Èhudijovyè eine erste kleine
Fotoausstellung über die Geschichte der Bahn eingerichtet. Der Waggon aus Lviv
wird 2008/2009 eine Neubeplankung erhalten und dann ebenfalls vorläufig als
Schauraum eingerichtet werden.
Nach und nach stießen weitere interessierte Personen aus Skole, L'viv und Kiew zu der
Gruppe. Der engagierte ukrainische Eisenbahn-freund Dmytro A. Babarika aus Kiew
erklärte sich bereit die Projektleitung zu übernehmen. Seine fünf kleinen,
privat gesammelten Draisinen werden für die Beförderung von Touristen nützlich
sein.
Im August 2007 fanden über Vermittlung der rührigen Ökojournalistin Hanna Hopko
erste Gespräche mit lokalen Politikern statt, die im Jänner 2008 zu einer
Vorvereinbarung über die Miete (auf 49 Jahre) von 800 m Bahntrasse in Korostiv
führten. Die Areale zweier ehemaliger Ausweichen werden als Anfangs- bzw.
Endstation in die Miete einbezogen. An der Endstelle planen wir die Errichtung
des Schmalspur - bahnmuseums mit Fahrzeugsammlung, Depot, Werkstätte, Personal-
und Schulungsräumen, sowie den Aufbau von Infrastruktur für die Besucher
(Souvenirshop, Buffet, Ausstellungs und Vortragsräume, WC). Die nächsten
Schritte zum Abschluss des Mietvertrags für die Trasse mit der Gemeinde
Korostiv sind seit Mitte Februar 2008 in Arbeit. Die Verhandlungen gehen wegen
gesetzlicher Unklarheiten jedoch nur sehr langsam voran. Seitens der
Rayonsverwaltung, der Gemeinde Korostiv und des NPP Skole besteht Interesse an
dem Projekt. Eine spätere Verlängerung der Bahn in beide Richtungen ist
geplant.
Ein weiteres Fahrzeug wurde im Herbst 2007 erworben - ein kleiner Schienenbus,
der in einem Garten in Antonivka (Rivnens'ka oblast') als Hütte der
Verschrottung entgegenblickte. Das neue Exponat wurde vorerst gesichert
bei Bekannten in Antonivka hinterstellt. Lediglich der Motor fehlte bei dem
Fahrzeug - und ein solcher wurde im Februar 2008 gefunden und erworben.
Im selben Monat noch wurde die Fahrzeugsammlung wieder erweitert - ein
historischer Bahnschneepflug aus Berestovec (Rivnens'ka obl.) wurde angekauft
und nach Skole zur provisorischen Aufstellung im Hof der Nationalparkverwaltung
transportiert. Für die nahe Zukunft bereiten wir die Registrierung unserer
Initiative als NGO unter dem Namen unter dem Namen "Goldene Waldbahn"
vor.
Derzeit sind rund 6200 Euro privates Spendengeld vorhanden, die im Laufe dieses Sommers
für folgende Vorhaben Verwendung finden sollen:
- Ankauf zweier gedeckter historischer Güterwagen aus Rokitne (Rivnens'ka obl.),
Transport nach Skole, provisorische Aufstellung im Hof der Nationalparkverwaltung
Skole (gesamt: ca. Euro 1 900.-).
- Ankauf eines Plattformwaggons aus Velykyj Byèkiv (Zakarpattya), Transport nach Skole,
provisorische Aufstellung im Hof der Nationalparkverwaltung Skole (gesamt: ca.
Euro 1 100.-).
- Ankauf von ca. 1 000 m altbrauchbarer Schienen Typ R18 (18kg/m), von der
eingestellten Werksbahn von Velykyj Byèkiv (Zakarpattya), Transport nach Skole,
Zwischenlagerung im Hof der Nationalparkverwaltung Skole. 1 000 m
Einzel-Schienen ergeben 500 m Gleis, davon sollen ca. 200 m im Depotbereich
verlegt werden, die restlichen 300 m werden bereits zum Wiederaufbau der
Strecke verwendet (gesamt: ca. Euro 3 200.-).
Ein erster Arbeitseinsatz an der alten Bahntrasse ist für Juli geplant, zum
Freischeiden von Gestrüpp und Bewuchs. Danach planen wir so bald als möglich
ein Camp für Volontäre einzurichten, um mit den Rekonstruktionsarbeiten zu
beginnen, ausgehend vom zukünftigen Museum (Depot).
Eine gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung und besonders mit den
Anrainern ist im Anlaufen und stimmt uns optimistisch. Handwerker und
Beherbergungsmöglichkeiten werden benötigt. Schon die Freiwilligencamps werden
eine Belebung der dörflichen Wirtschaft bringen. Für sehr wichtig halten wir
dass Kinder und Jugendliche als Mitarbeiter wie auch als Gäste gewonnen werden
können. Besonderes Augenmerk möchten wir auf Umwelt- und Naturschutz legen,
d.h. geordnete Müllentsorgung (Mülltrennung und Wiederverwertung, Abfuhr
Restmüll), Abwasser und
Fäkalentsorgung, Schutz des Waldes und der Tierwelt, Nutzung des öffentlichen
Verkehrs zur An/Abreise nach Korostiv (z. B. per Bahn bis Skole, weiter nach
Korostiv Buspendeldienst) u. v. m.
Wir hoffen mit der touristischen Waldbahn und dem Schmalspurbahnmuseum
"Goldene Waldbahn Skole - Korostiv" nicht nur für das Dorf Korostiv und
die Stadt Skole, sondern für die Karpaten, das Lemberger Gebiet und die Ukraine
eine kulturelle Attraktion am Busen der Natur zu schaffen, die unserer und
zukünftigen Generationen viel Freude bereiten wird!
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